Enzephalopathieforschung


Die hepatische Enzephalopathie (HE) ist eine Gehirnfunktionstörung, die im Gefolge akuter und chronischer Lebererkrankungen auftritt und zu einer deutlichen Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit und Lebensqualität der Betroffenen führt. Das Krankheitsbild, welches in unterschiedlichen Schweregraden - von leichten Konzentrationsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit - auftreten kann, wird an der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie, intensiv auf grundlagenwissenschaftlichem und patientennahem Niveau erforscht.

Im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 575 erfolgt dabei eine enge Zusammenarbeit mit der Neurologischen Klinik, dem Institut für Neurophysiologie und dem Forschungszentrum Jülich. Dabei kommen die aufwändigen Techniken der Computerpsychometrie, der MR-Spektroskopie, des funktionellen MR-Imaging, der Magnetenzephalographie und Positronenemissionstomo-graphie zum Einsatz. Wesentliche durch diese Arbeiten erzielte Fortschritte zum Verständnis der HE-Pathogenese waren der Nachweis, dass die HE Ausdruck eines geringgradigen chronischen Gliaödems ist, welches zu gestörter oszillatorischer Kopplung unterschiedlicher Neuronenpopulationen und geänderter Rezeptorexpression im Gehirn führt.

Frühere grundlagenwissenschaftliche Arbeiten haben ferner die Basis für die Einführung und Evaluierung von L-Ornithin-L-Aspartat als heute gängiges Therapeutikum geschaffen. Darüberhinaus wurde von der Arbeitsgruppe ein neuartiges Diagnoseverfahren (Erfassung der Kritischen Flimmerfrequenz mit Hilfe des HepatoNorm-Analysers) für leichtgradige HE-Formen entwickelt, das nun in der klinischen Routine zum Einsatz kommt. Dieses Verfahren zur Bestimmung der kritischen Flimmerfrequenz erlaubt nicht nur die Quantifizierung der neuropsychiatrischen Defizite auf einfache und rasche Weise, sondern erfasst erstmals die ”low grade” HE als Kontinuum.

Weitere Arbeiten beschäftigen sich mit der sozialmedizinisch relevanten Frage, inwieweit bei  Patienten mit leichtgradiger HE eine Einschränkung der Fahrtauglichkeit besteht. Solche Untersuchungen erfolgen mithilfe eines Fahrsimulators und in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Strassenwesen.

 
 Publikationen (Auswahl):

  • Häussinger D, Laubenberger J, vom Dahl S, Ernst T, Bayer S, Langer M, Gerok W, Hennig J. Proton magnetic resonance spectroscopic studies on human brain myo-inositol  in hypoosmolarity and  hepatic encephalopathy. Gastroenterology, 1994; 107:1475-1480
  • Kircheis G, Nilius R, Held C, Berndt H, Buchner M, Görtelmeyer R, Hendricks R, Krüger B, Kuklinski B, Meister H, Otto HJ, Rink C, Rosch W, Stauch S. Therapeutic efficacy of L-ornithine-L-aspartate infusions in patients with cirrhosis and hepatic encephalopathy: results of a placebo-controlled, double-blind study. Hepatology, 1997; 25:1351-1360
  • Kircheis G, Wettstein M, Timmermann L, Schnitzler A, Häussinger D. Critical flicker frequency and quantification of low grade hepatic encephalopathy. Hepatology, 2002; 35:357-366
  • Timmermann L, Gross J, Kircheis G, Dirks M, Schmitz F, Häussinger D, Schnitzler A. Cortical origin of postural minimal asterixis in hepatic encephalopathy. Neurology, 2002; 58:296-298
  • Shah NJ, Neeb H, Zaitsev M, Steinhoff S, Kircheis G, Amunts K, Haussinger D, Zilles K. Quantitative T1 mapping of hepatic encephalopathy using magnetic resonance imaging. Hepatology, 2003; 38:1219-1226
  • Zafiris O, Kircheis G, Rood HA, Boers F, Häussinger D, Zilles K. Neural mechanism underlying impaired visual judgement in the dysmetabolic brain: an fMRI study. Neuroimage, 2004; 22:541-552
  • Timmermann L, Gross J, Butz M, Kircheis G, Häussinger D, Schnitzler A. Pathological oscillatory coupling within the human motor system in different tremor syndromes as revealed by magnetoencephalography. Neurol. Clin. Neurophysiol., 2004; 30:26
  • Timmermann L, Butz M, Gross J, Kircheis G, Haussinger D, Schnitzler A. Neural synchronization in hepatic encephalopathy. Metab. Brain. Dis., 2005; 20:337-246
  • Shah NJ, Neeb H, Kircheis G, Engels P, Häussinger D, Zilles K. Quantitative Cerebral Water Content Mapping in Hepatic Encephalopathy. Neuroimage, 2008; 41:706-17
  • Kircheis G, Bode JG, Hilger N, Kramer T, Schnitzler A, Häussinger D. Diagnostic and prognostic value of Critical Flicker Frequency determination in patients undergoing TIPS-implantation. Europ J Gastroenterol Hepatol, 2009; 21:1383-94
  • Kircheis G, Knoche A, Hilger N, Manhart F, Schnitzler A, Schulze H, Häussinger D. Hepatic encephalopathy and fitness to drive. Gastroenterology, 2009; 137: 1706-15
MediathekInformation und Wissen
LageplanSo finden Sie uns